eine Überschrift … vielleicht ‘Kranichgeschrei’

Fliegenpilze am Wege
Gummiwagen im Wald
Irgendwo bei Teplingen
3. November, nachmittags

 

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 Das natürlich auch wieder sehr, sehr “Wendland” ^^

Die Fliegenpilze wachsen zu Füßen der Birken am Wegrand, und man hört irgendwo entfernt Kranichgeschrei.
Das einzelnstehende rote Ziegelgebäude gehörte zu einer Obstplantage, die ich aus meiner Kindheit kenne. Als die Keller noch kalt genug waren, Äpfel für den Winter einzulagern, fuhr die ganze Familie dorthin, um sich durch die Sorten mit Kostproben durchzufuttern und mehrere, in Geschmack und Lagerfähigkeit unterschiedliche Sorten auszusuchen. Unsere Lieblingssorten damals waren: saure, grün-bräunliche Boskoop, rund und mit grober Schale, gelbrote, süßsaure, ebenfalls etwas rauhe Cox Orange, klein und ein bißchen breitgedrückt, sowie  die glockenförmigen, gelbgrünen und knackigen Prinzenäpfel und – für die Oma - die dicke und saftige, rotbackige Ingrid-Marie mit der wachsigen glatten Schale, die sich so leicht abziehen ließ. Seltsam, daß man so etwas nicht vergißt – ich rieche immernoch den Duft aus den Apfelkisten unter dem Vordach dort, auch wenn mehrere Jahrzehnte Vergangenheit dazwischen liegen.
Richtung Lüchow liegt mehr offenes Ackerland, unterbrochen von unspektakulären, aber jetzt schön herbstlich-bunt gefärbten Baumgruppen und einigen wunderbaren, einzeln stehenden Eichen; auf der gegenüberliegenden Seite, Richtung Lübbow bzw. Teplingen, steht Wald: Kiefern, Birken, Eichen, auch bunt. Die Eichen tragen auf ihren Rinden kleine, blaugrüne Flechtenbüschel und dunkelgrünes Moos. Auch wenn es kein Gutwettertag ist, sieht es schön aus. Nur die Bilder werden – wegen Lichtmangels – nicht besonders gut.
Der zum Hochstand umgebaute, alte ’Wellmann-Anhänger’, wegen der Bereifung als  “Gummiwagen” bezeichnet,  ist eine weitere, typische Kindheitserinnerung. Nicht genau dieser, aber die vielen ähnlichen, alle waren irgendwie grünlich gestrichen. “Baujahr 1958″ steht auf der Plakette,  und der Hersteller war in Gerdau, einem größeren Heidedorf im Nachbar-Landkreis Uelzen, angegeben. Über lokale Verwaltungspolitik der vergangenen Jahrhunderte als Begründung dafür, daß die Leute aus dem Landkreis Lüchow-Dannenberg zum Einkaufen von größeren Anschaffungen in den Kreis Uelzen fuhren, könnte man ausholen, aber muß man nicht, denk ich mal. Außerdem: im Oktober / November beherrschten früher Traktoren mit Gummiwagen voller Rüben und Kartoffeln die Straße Richtung Uelzen, und wer unbedingt auch in diese Richtung fahren mußte, der brauchte Zeit. Viel Zeit. Zurück ging es etwas schneller, denn da waren die Anhänger leer.
Das fiel mir alles bei dessen Anblick ein, während Bongo den Wagen beschnupperte. Ein Zug Kraniche näherte sich mit trompetenähnlichem Geschrei. Ich hoffte schon, sie würden schön passend vor uns auf dem Acker landen, aber das taten sie nicht, sondern strichen knapp über die Bäume hinweg, auf die andere Seite des Waldes. Da war es klar, daß Bongo und ich die gleiche Richtung nahmen -  aber wir fanden sie nicht; es wurde nur immer dunkler im Wald und am Himmel, und der intensive Geruch von Wildschweinen regte Bongo auf. Wir hätten beide gerne welche gesehen, aber natürlich guckte wieder kein Schwein. Nur stand noch ein weiterer Wagen-Dinosaurier im Wald herum.

Es war bereits dämmerig,
das Kranichgeschrei verstummt.
Die Tage sind schon so kurz. 
Zeit für Tee.

 

13 Gedanken zu “eine Überschrift … vielleicht ‘Kranichgeschrei’

  1. Wenn man deinen Blog heute so liest, denkt man, man wäre mitgegangen.
    Da ist selbst so ein Tag wie heute spektakulär !
    Schon mal daran gedacht einen Kalender mit Bild und Text zu machen? So einen Copyright Puzzlekalender?

  2. Pingback: Schönes Wochenende (H) « Zweitesselbst's Blog

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